Übersicht
Der Zugversuch ist das wichtigste Verfahren der Werkstoffprüfung zur Bestimmung mechanischer Kennwerte. Dieses GeoGebra-Programm simuliert die Auswertung einer Kraft-Längenänderungs-Kurve und berechnet automatisch den E-Modul sowie die Streckgrenze (Rp0.2).
Hinweis zur Funktion
Didaktische Vereinfachung: Die verwendete e-Funktion dient ausschließlich der Veranschaulichung des Auswerteverfahrens. Die Kraft-Verlängerungs-Kurve wird durch eine e-Funktion erzeugt; die Messwerte sind daher nicht auf einen realen Werkstoff bezogen.
Einstellbare Parameter
Vor Beginn der Auswertung können die Prüfparameter eingestellt werden:
| Regler | Variable | Einheit | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| L0 | L₀ | mm | Messlänge der Probe |
| S0 | S₀ | mm² | Querschnittsfläche der Probe |
| Prüfvorkraft | F₀ | N | Anfangsvorspannung vor Messbeginn |
| Kurvenverlauf | — | — | Steuerung der Materialkennlinie |
Anmerkung: Beim Verstellen der Parameter können die eingezichneten Kreuze (Punkte) aus dem sichtbaren Bereich wandern, da sich die Koordinaten verschieben. Ziehen Sie die Kreuze vorher näher an den Nullpunkt. Die Kreuze dienen außerdem zum Verschieben der Linien (Hookesche Gerade, Parallele).
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Schritt 1: Programm starten
Öffnen Sie die GeoGebra-Datei zugversuch.ggb. Das Programm zeigt
das Kraft-Längenänderungs-Diagramm mit den Parametern unten.
Vorgehensweise: Keine Checkboxen aktivieren. Einstellungen prüfen.
Mit den Schiebereglern kann man die Messlänge, den Probendurchmesser, die Prüfvorkraft und den Kurvenverlauf ändern.
Schritt 2: E-Modul-Bestimmung aktivieren
Setzen Sie ein Häkchen bei E-Modulbestimmung und Steigung. Die Hookesche Gerade wird im elastischen Bereich sichtbar.
Schritt 3: Steigung der Hookeschen Geraden anzeigen
Die Steigung der Hookeschen Geraden wird angezeigt. Damit lässt sich die Kraftänderung ΔF pro Längenänderung ΔL ablesen.
Schritt 4: E-Modul berechnen
Aktivieren Sie E-Modulberechnung. Die Formel wird ausgeführt:
E = (ΔF · L₀) / (S₀ · ΔL)
Beispielwert: E = 229.786 N/mm² (für dieses Beispiel)
Schritt 5: Streckgrenze (Rp0.2) aktivieren
Setzen Sie ein Häkchen bei Rp und Steigung Rp. Eine Parallele zur Hookeschen Geraden wird eingezeichnet. Verschieben Sie die Parallele so, dass die gewünschte Dehnung eingestellt ist.
Schritt 6: Rp0.2 berechnen
Aktivieren Sie Rp*Berechnung. Die Streckgrenze wird berechnet:
Rp0.2 = FP0.2 / S₀
Beispielwert: Rp0.2 = 117 N/mm² (für dieses Beispiel)
Funktionen im Programm
Aktivieren Sie die gewünschten Berechnungen über die Checkboxen:
| Checkbox | Berechnung | Ergebnis |
|---|---|---|
| ☑ E-Modulbestimmung | Steigung im linearen Bereich | Kraftänderung ΔF pro Längenänderung ΔL |
| ☑ Steigung | Tangentensteigung der Hookeschen Geraden | ΔF / ΔL |
| ☑ E-Modulberechnung | E = (ΔF · L₀) / (S₀ · ΔL) | Elastizitätsmodul in N/mm² |
| ☑ Rp | Streckgrenzen-Bestimmung | Dehngrenze bei 0,2 % plastischer Dehnung |
| ☑ Steigung Rp | Parallel zur Hookeschen Geraden | Offset-Methode (Rp0.2) |
| ☑ Rp*Berechnung | rp0.2 = FP0.2 / S₀ | Streckgrenze in N/mm² (MPa) |
Beispielrechnung (aus dem Programm)
E-Modul
E = (8068.4037 N · 50 mm) / (80 mm² · 0.0219 mm)
E = 229.786 N/mm²
Streckgrenze Rp0.2
Rp0.2 = 9394 N / 80 mm²
Rp0.2 = 117 N/mm²
Berechnete Dehnungen
- Nominale Dehnung:
εnP = 0.1 mm (0.2 %) - Plastische Dehnung:
εp = 0.0256 mm (0.0511 %)
Anwendungsbereich
Das Programm eignet sich insbesondere für:
- Veranschaulichung des Zugversuchs nach DIN EN ISO 6892-1
- Bestimmung des E-Moduls aus dem elastischen Bereich
- Streckgrenzen-Bestimmung nach Offset-Methode (Rp0.2)
- Unterscheidung elastischer vs. plastischer Dehnung
GeoGebra-Programm herunterladen
Benötigt: GeoGebra Classic (Desktop oder Web-Version). Programm lokal speichern und mit GeoGebra öffnen.
Hinweise zur Nutzung
- Die Ergebnisse sind Richtwerte und ersetzen keine normgerechte Prüfung nach DIN EN ISO 6892-1.
- Für Zertifizierungen und Qualitätsnachweise sind akkreditierte Prüfverfahren anzuwenden.
- Die Berechnungen erfolgen ohne Gewähr. Ergebnisse bitte stets nachprüfen.